Ergotherapie in der Neurologie

Wir behandeln neurologische Patienten mit folgenden Erkrankungen:

  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems
  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems
  • z. B. nach Schlaganfall, Hirnblutungen und Tumoren
  • bei Multipler Sklerose und Morbus Parkinson
  • bei entzündlichen Erkrankungen und degenerativen Erkrankungen des zentralen Nervensystems
  • Traumata des Nervensystems
  • z. B. nach Schädelhirntraumata, Rückenmarksläsionen, periphere Lähmungen
  • Polyneuropathien (Missempfindungen der Haut)
  • Neuropsychologische Störungen (Handlungsfähigkeit, Merkfähigkeit, Konzentration, Neglect …)

Robert Kneschke Fotolia.com Fotolia_43935962_XS

Probleme und Behandlung

Aufgrund dieser Erkrankungen können bei dem Patienten folgende Probleme und Störungen auftreten:
motorisch-funktionelle Störungen:

  • Lähmungen (schlaff und/oder spastisch) und damit einhergehend Beeinträchtigung der Motorik
  • Beeinträchtigung der Hantierfunktionen
  • Beeinträchtigung der Fortbewegung

Sensomotorisch-perzeptive Störungen

  • Lähmungen (schlaff und/oder spastisch) und damit einhergehend, Beeinträchtigungen in der Motorik
  • Sensibilitätsausfälle
  • Probleme im Gesichts- und Mundbereich (Facio-orale Probleme)
  • Geänderte / eingeschränkte Körperwahrnehmung
  • Sehstörungen (Anopsien)
  • Bewusstseinsstörungen
  • Folgeschäden, wie falsche Haltungs- und Bewegungsmuster, Kontrakturen, Schmerzsyndrome
  • Störungen in der Bewegungskoordination, wie Ataxie, Tremor, Rigor
  • Apraxien (Unfähigkeit der Bewältigung praktischer Fähigkeiten)
  • Wahrnehmungsstörungen (visuell, sensorisch, akustisch) Räumlich-konstruktive Störungen (veränderte räumliche Wahrnehmung)
  • Agnosien (eine Störung des Erkennens, bzw. die Unfähigkeit einen Gegenstand mit seiner normalen Verwendung in Verbindung zu bringen, ohne das eine Beeinträchtigung der Sinnesorgane – Auge/Ohr – vorliegt)
Thomas Jansa Fotolia.com Fotolia_48807229_XS
Fontanis Fotolia.com Fotolia_36837750_XS

 

Kognitive Probleme und Störungen im neuropsychologischen Bereich

  • Gedächtnisstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Orientierungsstörungen
  • Neglect (Nichtbeachten einer Seite)
  • Alexie (Lesestörung)
  • Agraphie (Schreibstörung)
  • Akalkulie (Rechenstörung)
  • Aphasie (Sprachstörung)
  • Psychosoziale Probleme:
  • Eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten
  • Affektlabilität

Behandlungsziele:

  • Verbesserung der Grob- und Feinmotorik, der Koordination von Bewegungsabläufen
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung, des Körperschemas, der Sensorik
  • Verbesserung der psychischen Belastbarkeit
  • Verbesserung der Flexibilität und selbständigen Tagesstrukturierung sowie Eigeninitiative und Motivation
  • Vermeidung pathologischer (krankheitsbedingter) Bewegungen und Bahnung physiologischer (natürlicher)-Bewegungen
  • Kontrakturprophylaxe
  • Schmerzreduktion
  • Erlernen von Kompensationsmechanismen
  • Erhaltung und Verbesserung kognitiver Fähigkeiten wie Konzentration, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Orientierungsfähigkeit Grundtraining bei der Körperpflege, beim An- und Auskleiden, beim Essen und Trinken Beratung und Training im Gebrauch von Hilfsmitteln
  • Schienenbau (Lagerungs-, Funktionsschienen)

 

Fontanis Fotolia.com Fotolia_46567874_XS

Behandlung

Behandlungsmethoden
Folgende Behandlungskonzepte werden bei uns in der Praxis eingesetzt:

  • Bobath-Konzept
  • Kognitiv-therapeutische Übungen nach Perfetti
  • Johnstone-Konzept
  • Affolter-Konzept
  • F.O.T.T – Therapie des facio-oralen Traktes
  • Hirnleistungstraining und Behandlung neuropsychologischer Störungen u.a.n.Schweizer u. Fischer
Fontanis Fotolia.com Fotolia_38003970_XS

Bobath-Konzept

Dieses Konzept wurde von der Physiotherapeutin Berta Bobath und ihrem Mann Karel Bobath, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, entwickelt.
Es wird bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen eingesetzt, um verloren gegangene Funktionen nach einer Hirnschädigung wiederherzustellen.

Der Ansatz ist ein 24-Stunden-Management. Dabei spielt die Beratung und Anleitung der Angehörigen und/oder des Pflegepersonals eine große Rolle. Von Anfang an soll der Patient lernen, im Alltag mit seiner Behinderung umzugehen. Dabei kann er mit einem speziellen Handling so unterstützt werden, dass er seine bereits wieder gewonnenen Fähigkeiten einsetzen und verbessern kann.

 

Prinzipien der Behandlung sind:

  • Normalisierung des Muskeltonus
  • Vermeidung pathologischer Bewegungsmuster
  • Anbahnung von physiologischen Bewegungen
  • Wiedererlernen der Körpersymmetrie und der Gleichgewichtsreaktionen
  • Integration des Erlernten in den Alltag und Problemlösungen

Kognitiv-therapeutische Übungen nach Perfetti
Professor Carlo Perfetti, Neurologe aus Italien, entwickelte die nach ihm benannten Übungen gemeinsam mit Ärzten, Therapeuten und Neuropsychologen.

Das Konzept wurde für Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems, z. B. Schlaganfall, Schädel-Hirntrauma, Multipler Sklerose entwickelt.

Die Eckpfeiler dieses Konzeptes sind Motorik, Sensibilität und Bewusstsein.

Der Patient lernt über organisierte Prozesse im zentralen Nervensystem physiologisches Bewegungsverhalten selbst zu aktivieren. Neuropsychologische Funktionen wie Gedächtnis, räumliches Vorstellungsvermögen, aphasische Störungen werden bei diesem Konzept zusätzlich mitgefördert und verbessert.

Um den pathologischen Elementen entgegenzuwirken, wurden unterschiedliche Bewegungsarten entwickelt.

Übungen 1. Grades: Es entsteht eine Vorstellung der Bewegung (geführte Bewegung).
Übungen 2. Grades: Teile der Bewegung werden aktiv vom Patienten übernommen.
Übungen 3. Grades: Der Patient lernt die elementaren Schemata der Bewegung zu kontrollieren.

Johnstone-Konzept

Dieses neurophysiologische Konzept wurde von Margaret Johnstone, einer schottischen Physiotherapeutin, entwickelt. Ziel ist es den Patienten im “antispastischen Erholungsmuster” ein Maximum an Mobilität zu ermöglichen.

An vorderster Stelle steht die Tonusregulation. Dadurch soll die Entwicklung eines spastischen Musters vermieden oder wenigstens auf ein Minimum reduziert werden.
Die speziellen Kunststoffsplints werden aufgeblasen und legen sich um die zu behandelnde Extremität.
Die Druckbandagen können bei der Lagerung im Bett eingesetzt werden. Hauptsächlich werden sie aber zu aktiven, dynamischen und handlungsorientierten Bewegungsabläufen verwendet. Der andauernde Druck führt zu einer langsamen Dehnung der Muskulatur und somit zur Tonusnormalisierung. Nach der Entfernung des Splints werden Übungen zur Verbesserung der Körperwahrnehmung durchgeführt.
Einen Vorteil bietet der Splint bei schmerzhaften und ödematösen Zuständen, da sich während der Behandlung die schmerzenden Hand- und Fingergelenke im Handsplint geschützt lagern lassen. Dadurch wird auch die Ödemrückbildung günstig beeinflusst.
Durch das Anlegen in verschiedenen Armstellungen lassen sich z. B. dynamischer Stütz, aktives Greifen oder verschiedene Aktivitäten auf der Matte durchführen, wodurch sich der tiefensensible Input noch verstärkt.

Edler von Rabenstein Fotolia.com Fotolia_58492826_XS

Affolter-Konzept
Dieses Behandlungskonzept entstand aus einer über zehnjährigen Forschungsarbeit von Frau Dr. Affolter und ihren Mitarbeitern.
Der Ansatz widmet sich der Rehabilitation Erwachsener, besonders nach schweren Hirnverletzungen.
Das Modell der geführten Bewegung vermittelt der wahrnehmungsgestörten Person über die Körperführung angemessene Spürinformationen in alltäglichen Handlungsabläufen.
Es wird immer auf der Verständnisstufe des Patienten gearbeitet, da Verständnis eine wichtige Voraussetzung für das Lernen ist.

F.O.T.T – Therapie des facio-oralen Traktes (Gesicht- und Mundbereich)
Die F.O.T.T, in englischer Originalübersetzung “Face and oral tract therapy” bezeichnet ein Konzept zur Behandlung neurologisch bedingter Schluckstörungen (Dysphagien), gestörter Ausdrucksbewegungen des Gesichtes und nonverbaler Kommunikationsmöglichkeiten eines Patienten und geht auf die Begründerin des Konzeptes Kay Coombes zurück.
Ziele der Therapie des facio-oralen Traktes sind z. B.:

  • Verbesserung des Mundschlusses oder der Mundöffnung
  • Sensibilisierung im Gesicht- und Mundbereich (facio-oraler Trakt)
  • Förderung der mimischen Muskulatur
  • Wiederentwicklung der möglichst vollständigen oralen Nahrungsaufnahme

Hirnleistungstraining und Behandlung neuropsychologischer Störungen

Das ergotherapeutische Hirnleistungstraining sowie die neuropsychologisch orientierte Behandlung dienen der gezielten Therapie von kognitiven und neuropsychologischen Störungen.

Ziel ist die Wiederherstellung und Verbesserung der kognitiven Funktionen wie:

  • Selektive und geteilte Aufmerksamkeit, Vigilanz
  • Konzentrationsfähigkeit
  • Merkfähigkeit, Kurz- und Langzeitgedächtnis
  • Orientierung zu Raum, Zeit, Ort und Person
  • Reaktionsgeschwindigkeit
  • Sprachlogisches und numerisches Verständnis
  • Visuelle und auditive Wahrnehmung
  • Wahrnehmungsgeschwindigkeit
rupbilder Fotolia.com Fotolia_29474706_XS

Beeinträchtigungen der Denk- und Wahrnehmungsleistungen, die im Alltag die Orientierungs- und Strukturierungsfähigkeit behindern, sollen vermindert werden.

Wir arbeiten mit individuell abgestimmten Programmen und Therapiemitteln, um die betroffenen Hirnleistungen zu verbessern.

Hierzu zählt:

  • Hirnleistungstraining mit Realitäts- und Biographiebezug
  • Hirnleistungstraining am PC mit spezieller Therapiesoftware
  • Neuropsychologisch orientiertes Hirnleistungstraining
  • Handlungsorientiertes Training der kommunikativen Fähigkeiten, mit und ohne PC
  • Training zur Verbesserung des Lernverhaltens und der Grundarbeitsfähigkeiten